Unser Ziel ist es, junge Menschen in ihrer Entwicklung von der frühesten Kindheit bis zur Mündigkeit zu begleiten und sie in der ganzheitlichen Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu fördern.

Innenansicht Waldorfschule Heilbronn
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Unser Leitbild

Aufgaben, Ziele, Grundlagen

Die pädagogische Initiative

Der Verein für Waldorfpädagogik Unterland e.V. ist eine in den 70er Jahren gegründete pädagogische Initiative, die sich zur Aufgabe gemacht hat, junge Menschen in ihrer Entwicklung von der frühesten Kindheit bis zur Mündigkeit zu begleiten und sie in der ganzheitlichen Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu fördern. Hierfür halten unsere verschiedenen Einrichtungen – Schule, Kindertagesstätten und Familienforum – ein breites Erziehungs- und Bildungsangebot bereit. Wir sind zudem darum bemüht, auch in den Formen des Gemeinschaftslebens und der Selbstverwaltung diesen Aufgaben zu entsprechen.

 

Individuum und geistige Autonomie

Im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit steht der junge Mensch als Individuum, das heißt als leibliche, seelische und geistige Ganzheit. Unsere Pädagogik wird dabei von der Überzeugung getragen, dass jedes Kind sein Leben und sein Schicksal aus einem autonomen geistigen Wesenskern heraus prägt und gestaltet. Daher ist es vordringliche Aufgabe aller Erziehung, durch Förderung der Lebenskräfte und Harmonisierung der Seelenfähigkeiten dem jungen Menschen die bestmöglichen leiblichen und seelischen Bedingungen für seine individuelle Entwicklung zu schaffen.

 

Freiheit und Verantwortung

Ziel unserer Pädagogik ist die freie und selbstbewusste Persönlichkeit mit der Bereitschaft zur Verantwortung gegenüber dem Menschen und der Natur, mit Freude an lebenslangem Lernen und mit Aufgeschlossenheit für eine menschengemäße Zukunft. Phantasie und Kreativität sind hierbei grundlegende Fähigkeiten, ebenso ein waches Urteilsvermögen gegenüber den Fragen des Lebens und der eigenen Lebensgestaltung, sowie der Mut sich sozialen und kulturellen Herausforderungen zu stellen. Diese Fähigkeiten bilden die Voraussetzung dafür, dass der junge Mensch seinen eigenen Lebensweg gehen und sich als freies Wesen in seiner Umwelt erleben kann.

 

Erziehungskunst

Grundlage der waldorfpädagogischen Arbeit ist die unmittelbare Begegnung zwischen Erziehenden und Kindern und die Gestaltung dieser Beziehung aus der von Rudolf Steiner begründeten anthroposophischen Menschenerkenntnis. Hieraus ergibt sich die Selbstverpflichtung der Pädagogen*, sich durch Selbsterziehung und Weiterbildung um Authentizität und geistige Präsenz im Umgang mit den jungen Menschen zu bemühen. Wir verstehen Pädagogik deshalb vornehmlich als Erziehungskunst.

 

Weltoffenheit

Zudem erfordert das Interesse am individuellen Wesen des Kindes die gemeinsame Verantwortung aller Erziehenden, der Eltern, Erzieherinnen und Lehrer. Dies beinhaltet auch über den Erziehungsalltag hinaus Verantwortung für die Welt, für Natur und Gesellschaft, in die der junge Mensch am Ende der Schulzeit entlassen wird. Weltinteresse und Anteilnahme an der gesellschaftlichen Entwicklung gehören somit zum Selbstverständnis des Waldorfpädagogen.

 

Konzeption und Methode

Entwicklungsorientierte Pädagogik

Unsere Pädagogik orientiert sich vor allem an der Erkenntnis des sich entwickelnden Menschen. Hierzu gehören die siebenjährigen Entwicklungsphasen und die damit verbundenen seelisch-geistigen Fähigkeiten und Erlebensqualitäten des Kindes und Jugendlichen, die sich der unbefangenen Beobachtung erschließen. Jeder dieser Entwicklungsschritte erfordert eine jeweils spezifische Art und Weise der Begegnung mit dem Wesen des Kindes: zunächst durch Vorbild und Nachahmung, etwa bis zur Erlangung der Schulreife, sodann in der Klassenlehrerzeit vornehmlich durch die seelische Verbundenheit mit einer liebevollen Autorität und schließlich durch die mehr intellektuelle Kommunikation in der Oberstufe, die zur Bildung einer eigenständigen, wirklichkeitsgemäßen Urteilsfähigkeit führt. Erst im dritten Jahrsiebt steht somit die Herausbildung des rationalen Denkens im Vordergrund, weil sonst der Entwicklung des Kindes lebenswichtige Gestaltungskräfte entzogen werden.

 

Der dreigliedrige Mensch

Eine ebenfalls beobachtbare menschenkundliche Tatsache ist die dreigliedrige Wesenheit des Menschen als Leib, Seele und Geist, die innerlich auch als Denken, Fühlen und Wollen erlebt wird. Nur das harmonische, sich gegenseitig unterstützende Zusammenspiel dieser Wesensglieder und Seelenfähigkeiten ermöglicht es, sich ganz als Mensch zu erleben und im freien Austausch mit der Umwelt zu erfahren.

 

Sinnespflege und Rhythmus

Somit ist zunächst einmal die gesunde leibliche Entwicklung des Kindes als Grundlage für seine seelisch-geistigen Fähigkeiten anzustreben. Hierzu gehört eine aktive Sinnespflege, insbesondere auch der "unteren" oder körperbezogenen Sinne, wie etwa des Bewegungssinns, was heute immer wichtiger wird.
Ebenso grundlegend ist die Pflege des Rhythmischen im täglichen Leben und Lernen und das bewusste Erleben des Jahreslaufs mit seinen Naturvorgängen und Festzeiten. Die rhythmischen Wiederholungen vermitteln dem Kind inneren Halt und Lebenssicherheit. Im Mittelpunkt steht dabei ein gesunder Wach-Schlaf-Rhythmus.

 

Ganzheitliches Lernen und Bildhaftigkeit

Von ebenso großer Bedeutung ist die menschenkundliche Einsicht, dass der junge Mensch mit seinem ganzen Wesen lernt. Auch die kognitiven Fähigkeiten werden primär nicht über den rationalen Verstand gewonnen, sondern durch das Erleben der Wirklichkeit. Die gedankliche Reflexion ist nicht Ausgangspunkt, sondern Abschluss des Lernvorgangs. Eine gesunde, offene Wahrnehmungs- und Erlebnisfähigkeit ist deshalb Voraussetzung allen Verstehens. Vermittler zwischen rationalem Verstehen und seelischem Erleben ist das Bild, sei es als Wahrnehmung, als Vorstellung oder als Phantasiebild. Die gedankliche Kommunikation zwischen Erzieher und Kind muss deshalb bildhaft sein. Nicht die intellektuelle Belehrung, sondern das wirklichkeitsgesättigte Bild hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck im Bewusstsein des Kindes, kann seine Entwicklung begleiten und "mitwachsen".

 

Unterricht als Erlebnisraum

Offenheit gegenüber den Welterscheinungen, rhythmische Gestaltung des Lebens und seelische Vertiefung durch Bildhaftigkeit bleiben auf dem gesamten Bildungsweg bis in die Oberstufe maßgeblich für unsere pädagogischen Einrichtungen. So etwa auch bei der Gestaltung des Lehrplans. Lernen mit dem ganzen Menschen, mit "Kopf, Herz und Hand", erfordert die wirkliche Gleichbehandlung von kognitiver, künstlerischer und handwerklicher Bildung. Lernen durch Künstlerisches bedeutet aber nicht nur eine Ausweitung der künstlerisch-handwerklichen Unterrichtsfächer, sondern auch die künstlerische Gesinnung im Unterrichten überhaupt. Unterricht ist nicht bloß Wissensvermittlung, sondern Erlebnisraum, vom Pädagogen authentisch gestaltet. Der Pädagoge muss daher nicht nur ein stets aufmerksamer Begleiter der kindlichen Entwicklung sein, sondern selbst, etwa durch Fortbildung und Konferenzarbeit, sein Verständnis und seine Fähigkeiten ständig weiterentwickeln.

 

Weltinteresse und Menschenbegegnung

Als Motivation des Lernens dienen nicht der Leistungsvergleich und der ergebnisorientierte Wettbewerb, sondern das Interesse an der Welt und am Menschen, das der Lehrer zu fördern hat. Eine Auslese nach intellektueller Begabung findet deshalb auch nicht statt. Damit spielen die Klassengemeinschaft und die soziale Beziehung der Schüler untereinander eine wichtige Rolle. Auch im Rahmen der gesamten pädagogischen Gemeinschaft gilt es, Begegnung und Zusammenarbeit zu pflegen: durch Elternabende, gemeinsame pädagogische und kulturelle Veranstaltungen, durch Feste und Präsentationen, durch die gemeinsame Verantwortung für die Pflege der Einrichtungen.

 

Die pädagogische Gemeinschaft

Im Hinblick auf die ganzheitliche Entwicklung des Kindes und Jugendlichen durch die unterschiedlichen Altersstufen kommt der Zusammenarbeit aller Erziehenden, insbesondere auch zwischen den Einrichtungen unseres Vereins, eine wesentliche Bedeutung zu. Darüber hinaus wird auch die Beziehung zu anderen pädagogischen Einrichtungen der Gesellschaft gepflegt, insbesondere mit den heil- und förderpädagogisch arbeitenden Johannesschulen. Unsere Gemeinschaft befindet sich dabei in offenem Austausch und stetigem Verständnisbemühen um die grundlegenden pädagogischen Gegenwartsfragen, wie Fragen der Inklusion, der Konfliktbewältigung und der Qualitätsentwicklung in der Pädagogik.

 

Formen und Strukturen

Zusammenarbeit der Einrichtungen

Die Einrichtungen unseres Vereins befinden sich zum größten Teil auf einem eigenen drei Hektar großen Grundstück in Heilbronn-Sontheim: eine einzügige Ganztagsschule mit angegliedertem Hort, eine Kindertagesstätte und ein neu errichtetes Kleinkind-Haus; zwei weitere Einrichtungen, Krippe und Kindertagesstätte, befinden sich in Lauffen. Insgesamt etwa 100 Mitarbeiter betreuen und unterrichten teilweise ganztägig 600 Kinder und Jugendliche aus 400 Elternhäusern. Etwa Zweidrittel des 4,5 Millionen Euro umfassenden Haushaltsvolumens kommen aus öffentlichen Zuschüssen, das übrige Drittel wird durch die Beiträge der Eltern direkt finanziert. In diesen Verhältnissen spiegelt sich zum einen die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Einrichtungen auf dem gesamten Entwicklungsweg des jungen Menschen wieder, zum andern auch die Bedeutung und Mitverantwortung der Eltern für die pädagogische Arbeit.

 

Familienforum und Kinderkrippen

Unser Familienforum berät und unterstützt die Eltern in der Pflege und Erziehung ihrer Kinder von der Geburt an mit wöchentlichen Eltern-Kind-Gruppen und Fortbildungsveranstaltungen zu den Themen Kleinkinderziehung, Tagesgestaltung und Gesundheit. In den Krippen – insgesamt 5 Gruppen in Heilbronn und Lauffen – werden Kleinkinder vom ersten Lebensjahr bis zum Eintritt in den Kindergarten betreut. Wesentlich für den alltäglichen Umgang mit den Kindern ist die beziehungsvolle Pflege durch verlässliche Bezugspersonen, die in innerer Ruhe und wacher Präsenz auf die seelischen und leiblichen Bedürfnisse jedes Kindes eingehen und ihm eine liebevolle, schützende Hülle und Umgebung bereiten. Zugleich wird Raum für Sinneserfahrungen geschaffen. Eine differenzierte Sinnestätigkeit, besonders auch der Selbstwahrnehmung, wird durch natürliches Spielzeug und eine Bewegungslandschaft mit den eigens für Kleinkinder entwickelten Pikler-Spielgeräten gefördert.

 

Kindergarten: Nachahmung und rhythmisches Tun

Dies wird in unseren Kindergärten – ebenfalls insgesamt 5 Gruppen für Kinder von 3 - 6 Jahren – fortgeführt, wobei mehr noch als die Pflege das eigene spielerische Tun der Kinder im Mittelpunkt steht. Alles Geschehen im Tagesverlauf wird von den Erzieherinnen so gestaltet, dass es das Interesse des Kindes zur Nachahmung weckt und so spielerisch angeeignet werden kann. Hinzu kommt ein reiches Erfahrungsfeld für die Sinne durch vielgestaltiges und natürliches Material und schön gestaltete Räumlichkeiten, in vielfältigen Begegnungen mit der Natur und im rhythmischen gemeinsamen Tun, wie es für die Kinder täglich mit Sorgfalt und Umsicht vorbereitet wird. Besonders wird auch darauf geachtet, dass das Kind im Wechsel von ruhig geführten und lebhaft-impulsiven Phasen seelisch atmen kann und dass es die Zeit hat, die für jede Erfahrung und jeden eigenen Entwicklungsschritt benötigt wird. Die verschiedenen Stimmungen der Jahreszeiten und der christlichen Feste spielen in ihrer regelmäßigen Wiederkehr dabei eine zentrale Rolle und werden sehr bewusst und sinnlich ansprechend gestaltet.

 

Schulaufnahme

Viele der in die Heilbronner Waldorfschule aufgenommenen Kinder kommen aus den Waldorfkindergärten des Vereins. Die enge Zusammenarbeit zwischen Aufnahmekollegium und Kindergärten gewährleistet einen der Individualität und dem Entwicklungsstand des Kindes angemessenen Eintritt in die Schulzeit. Dem dienen auch die Vorbereitung der Klassenelternschaft auf einführenden Elternabenden und eine festlich gestaltete Einschulungsfeier.

 

Im Mittelpunkt das Kind

Lehrplan und Unterricht auf dem schulischen Entwicklungsweg orientieren sich nicht an äußeren Vorgaben, sondern an der Individualität und an den altersspezifischen Bedürfnissen des Kindes. Statt nivellierender Notenstufen werden ganz auf die persönlichen Leistungen und Entwicklungsschritte hin formulierte Berichtszeugnisse geschrieben. Viele Gepflogenheiten, wie die Vergabe von persönlichen Zeugnissprüchen, gehen bewusst auf die besondere Wesenheit jedes einzelnen Kindes ein. Auch in unseren zahlreichen Schul- und Klassenkonferenzen mit ihrem pädagogischen Erfahrungsaustausch und den Kindbetrachtungen steht die Individualität des jungen Menschen im Mittelpunkt, ebenso in dem intensiv gepflegten persönlichen Gespräch mit dem Elternhaus.

 

Klassengemeinschaft und Schulleben

Die Klassengemeinschaft, die das Aufnahmekollegium für die Einschulung zusammengestellt hat, wird im Wesentlichen während der gesamten Waldorfschulzeit erhalten, denn es gibt keine Versetzungsordnung. Dies vermittelt dem Kind und Jugendlichen seelische Geborgenheit und Lebenssicherheit, was auch durch die bewusste Pflege der Klassen- und Schulgemeinschaft gefördert wird. Hierzu gehören erlebnispädagogische Klassenfahrten, das gemeinsame Auftreten in zahlreichen Klassenspielen und in "Monatsfeiern", oder auch klassenübergreifende Schulveranstaltungen anlässlich der christlichen Jahresfeste, wie etwa die Oberuferer Weihnachtsspiele oder die Michaeli-Tage der Oberstufe. Neben dem Gemeinschaftserleben spielt hierbei auch das Erleben des Jahreslaufs eine wichtige Rolle, das in der Unterstufe unter anderem von einem Jahreszeitentisch im Klassenzimmer begleitet wird.

 

Sinnvolle Gliederung des Schultages

Auch durch eine menschenkundlich durchdachte Gliederung des Tageslaufs können sich die Kinder in der Schule getragen fühlen. Unser Schultag beginnt mit einem thematischen Schwerpunkt in einem meist erkenntnisorientierten Fach, das epochenweise über 3 - 4 Wochen unterrichtet wird und damit besondere Möglichkeiten der Vertiefung bietet. Es folgen die regelmäßigen Wochenstunden des Sprachunterrichts und anderer, meist darstellender Fächer mit übendem Charakter, schließlich die künstlerisch-handwerklichen Fächer, die wiederum in projektorientierten Epochen unterrichtet werden.

 

Lebendiges Lernen: Bewegung und Kunst

Besonders die sprachlichen Fähigkeiten entwickeln sich vorzugsweise im Erleben und in der Bewegung des ganzen Menschen. So geht es im englischen und französischen Sprachunterricht – beide von der ersten Klasse an – zunächst vor allem darum, dass sich die Kinder in die fremde Sprache, in ihren Klang und ihre Rhythmik einleben. Charakter und Mentalität eines anderen Volkes können so von Grund auf seelisch erfahren werden. Auch die Rezitationen im morgendlichen Unterricht aktivieren innere Gestaltungskräfte, die dann den ganzen Hauptunterricht beleben können. Das Künstlerische hilft dabei, den Zugang zum Wissen über das Erleben zu finden. Die Bewegungskunst Eurythmie spielt eine Schlüsselrolle unter den darstellenden Künsten und wird durch die gesamte Schulzeit gepflegt.

 

Handwerk und Lebenspraxis

Auch die ausgeprägte Praxisorientierung der Heilbronner Waldorfschule ergibt sich als Konsequenz einer Pädagogik, die den ganzen Menschen berücksichtigt. Das beginnt mit "handfesten" Unterrichtsprojekten in der Unter- und Mittelstufe, wie Hausbau-Epoche, Ackerbau-Epoche, Ernährungs-Epoche (mit Küchenpraxis), bis zu den verschiedenen mehrwöchigen Praktika in der Oberstufe, die ganz auf die jeweilige Entwicklungsstufe der Jugendlichen ausgerichtet sind: Landwirtschaftspraktikum in der 9. Klasse, Vermessungspraktikum in der 10. Klasse, Sozialpraktikum in der 11. Klasse, künstlerisches Praktikum auf einer Studienfahrt der 12. Klasse nach Italien. Neben den bildenden Künsten wie Malen, Plastizieren und Bildhauen wird der handwerkliche Unterricht umfassend gepflegt: in zwei Holzwerkstätten und einer Schmiede finden mehrwöchige Epochen in Holz- und Metallarbeit statt, in zwei Handarbeitsräumen wird gestrickt und genäht, ein großes Gartenbaugelände vermittelt den Kontakt zu unseren Lebensgrundlagen. In verschiedenen AGs werden praktische – künstlerische, sportliche oder, wie in unserer Zirkus-AG, akrobatische – Fähigkeiten erlernt.

 

Grundlagen der Urteilsfähigkeit

In vielerlei Hinsicht tragen Schule und Unterricht dazu bei, dass die Entwicklung der Urteilsfähigkeit des jungen Menschen auf einer gesunden leiblich-seelischen Grundlage aufbauen kann. Schulküche und Mensa sorgen für biologisch hochwertige Ernährung, eine ansprechende Gestaltung des Schulhauses schafft das zum Lernen wichtige Wohlbefinden, Kunstunterricht und künstlerisch gestalteter Unterricht sprechen die Sinne an und öffnen die Seele. Dies gilt gleichermaßen für die Oberstufe, wenn auch hier der Intellekt mehr in den Vordergrund rückt. Exakte wissenschaftliche Methoden, etwa eine phänomenologisch erarbeitete Biologie, können an die vorangegangene Sinnespflege anschließen.

 

Entwicklungsphasen und Lehrplan

Die Einteilung der schulischen Entwicklung in die beiden Phasen der Klassenlehrer- und der Oberstufenzeit entspricht dem Verständnis für die siebenjährigen Entwicklungsschritte des jungen Menschen. In der ersten Phase werden die Kinder weniger über den Intellekt als über das Empfinden und Fühlen angesprochen, der Stoff wird vor allem über seine bildhaft-ästhetische und musische Qualität vermittelt. Dem dienen zahlreiche – zunächst pentatonische – Lieder und Reime, der frei dargebotene Erzählstoff, das Gestalterleben in Spielen und im Formenzeichnen und vieles mehr. Aus dem ganzheitlichen Erleben werden unter der Führung des Klassenlehrers im Laufe der Jahre zunehmend die gedanklichen Inhalte entwickelt. Auch die Gestaltung des Lehrplans für die Oberstufe baut unter anderem darauf, dass – beispielsweise im Geschichts- oder Geometrieunterricht – die im zweiten Jahrsiebt bildhaft erfahrenen Inhalte nun zunehmend gedanklich reflektiert werden und sich somit eine von seelischem Erleben getragene Urteilsfähigkeit entwickeln kann.

 

Waldorfpädagogik und Prüfungen

Selbstverständlich werden in der Freien Waldorfschule Heilbronn auch staatliche Abschlussprüfungen durchgeführt, auf die ab der 11. Klasse in entsprechenden Fachstunden gezielt vorbereitet wird: der Realschulabschluss findet am Ende der 12. Klasse statt, für das Abitur wurde zusätzlich eine 13. Klasse eingerichtet. Wer früher, ab der 10. Klasse, die Schule verlässt, kann den Hauptschulabschluss erwerben. Der Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit liegt aber auch in der Oberstufe auf der Entwicklung der ganzen Persönlichkeit mit ihren sozialen und praktischen Fähigkeiten, wobei weiterhin die Klassengemeinschaft gepflegt wird und Wert gelegt wird auf eine harmonische Gleichgewichtung der kognitiven, kreativen und handwerklichen Tätigkeiten.

 

Fortbildung und pädagogische Kompetenz

Lehrerinnen und Lehrer an der Freien Waldorfschule Heilbronn haben neben dem grundständigen pädagogischen bzw. fachlichen Studium eine zusätzliche waldorfpädagogische Ausbildung absolviert und sind weiterhin durch Fortbildung und kollegiale Arbeit – etwa in der wöchentlich zweistündigen Pädagogischen Konferenz oder in verschiedenen Fachcurricula – um stete Weiterentwicklung bemüht. Dies gilt natürlich entsprechend auch für die Erzieherinnen unserer vorschulischen Einrichtungen.

 

Elternmitarbeit

Die für jede Klasse mehrmals im Jahr stattfindenden Elternabende dienen
ebenfalls der gemeinsamen pädagogischen Fortbildung, außerdem der Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern im Klassenverband sowie der Koordination der Elternmitarbeit in Schule und Selbstverwaltung. Engagement und Initiative der Eltern spielen eine zentrale Rolle in unserer Gemeinschaft. In vielen Gremien der Schule und des Vereins arbeiten Eltern aktiv mit den Pädagogen zusammen, wie etwa im Vorstand oder in der Gesamtkonferenz. Ein Höhepunkt ist das gemeinsame Pädagogische Wochenende im Frühjahr.

 

Qualitätsentwicklung

Gemeinsam sind Eltern und Pädagogen auch um Qualitätsentwicklung in der Erziehung und in der Selbstverwaltung bemüht. Eine aus den Konferenzen und der Elternschaft delegierte Initiativgruppe erarbeitet sich seit einigen Jahren das Verfahren "Wege zur Qualität" mit dem Ziel der Vertiefung und Umsetzung im pädagogischen Alltag und im Gemeinschaftsleben.

 

Schülermitverantwortung

Besonders in der Oberstufe werden auch die Schülerinnen und Schüler mit in die Selbstverwaltung der Schulgemeinschaft einbezogen. Sie betreiben eine Cafeteria, beteiligen sich an zahlreichen Aktionen, wie beispielsweise am Martinsbazar, sie entsenden Vertreter in die Gesamtkonferenz und schreiben Artikel für die von der Schule herausgegebene Vierteljahresschrift. Der auf der Grundlage einer SMV-Satzung arbeitende Schülerrat ist Ausdruck einer selbstbewussten Schülermitverantwortung. Auch über ihre Schulzeit hinaus bleiben viele "Ehemalige" der Schule verbunden, sind gern gesehene Gäste in den Veranstaltungen und nicht selten auch Mitwirkende.

 

Pädagogische Kultur und Öffentlichkeit

Der Verein für Waldorfpädagogik Unterland versteht sich nicht nur als Erziehungs- und Bildungsstätte, sondern auch als kulturelles und gesellschaftliches Zentrum. Zahlreiche Veranstaltungen in unserem schönen Festsaal, aber auch unsere Beteiligung an externen pädagogischen und kulturellen Ereignissen – wie etwa die Zusammenarbeit mit Museen oder engagierte Auftritte der Schüler in der Öffentlichkeit – bekunden die Weltoffenheit unserer pädagogischen Gemeinschaft.

 

* Wo im vorliegenden Text von Pädagogen, Lehrern und Erzieherinnen die Rede ist, steht dies der leichteren Lesbarkeit wegen stellvertretend für beide Geschlechter.